Wir ziehen alle Register

Endlich ist es soweit: die Walcker-Orgel in der Großen Evangelischen Kirche in Oberkassel kann aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt werden.
Dank umfangreicher Fördermittel seitens des Landes NRW und des Bundes ist es unserer Gemeinde nun möglich, das herausragende Instrument von großem historischem Wert aus dem Jahr 1908 wieder in den Ursprungszustand zu versetzen und spielbar zu machen.

Schon seit über zwei Jahren werden die Gottesdienste in der Großen Evangelischen Kirche ausschließlich mit der kleinen Truhenorgel gestaltet. Bei einer Standardüberprüfung der sich auf der hinteren Empore befindlichen Peter-Orgel aus den 70er Jahren wurden zuvor gravierende Mängel an der Elektrik festgestellt, so dass das Instrument stillgelegt werden musste. Nach ersten Plänen, die Peter-Orgel zu sanieren und klanglich zu optimieren, rückten zunehmend Überlegungen in den Fokus, die alte Walcker-Orgel auf der vorderen Empore wieder in Betrieb zu nehmen. Nur diese Orgel hatte das Potenzial, als erhaltenswertes Kulturdenkmal auch öffentliche Fördergelder zu generieren.

 

 

Nach vielen Gesprächen, Recherchen, Gutachten, Leistungsverzeichnissen und Anträgen war es dann in diesem Jahr soweit, dass wir Angebote von drei Orgelbauern für die Restaurierung einholen konnten. Nach gründlichen Beratungen in der Orgel-AG, im Presbyterium und mit dem uns zugewiesenen, renommierten Orgelsachverständigen der Landeskirche, Manfred Schwartz, sowie den offiziellen Förderzusagen von Bund und Land hat sich das Presbyterium in seiner September-Sitzung für das Angebot der Firma Weimbs in Hellenthal/ Eifel entschieden, die viele Erfahrungen mit Restaurierungen von Orgeln aus der Zeit um die Jahrhundertwende hat.

Der Orgelsachverständige Manfred Schwartz bezeichnet die Walcker-Orgel in seinem Gutachten als „musikalisches Kleinod“ und eine „absolute Rarität“. Erstaunlich ist, dass man sie damals erhalten und zudem noch Pfeifen in die neue Peter-Orgel eingebaut hat. Das war zu dieser Zeit mehr als ungewöhnlich, da der romantische Klang einer Orgel vom Beginn des 20. Jahrhunderts überhaupt nicht dem Ideal der 70er Jahre entsprach. Heute weiß man jedoch die klangliche und auch bauliche Qualität solcher romantischen Orgeln sehr zu schätzen.

Ein Glücksfall für die Gemeinde und den Denkmalschutz ist die Tatsache, dass ca. 60 Prozent des historischen Pfeifenmaterials noch in der Peter-Orgel vorhanden sind. Diese werden im Zuge der Restaurierung zurück in die Walcker-Orgel gebaut, die restlichen Pfeifen rekonstruiert. Viele andere Teile der alten Orgel sind noch vorhanden, beispielsweise die Blasebälge und Windladen. Der Spieltisch ist leider nicht mehr da. Dieser sowie weitere fehlende Teile werden ersetzt. Die Peter-Orgel auf der hinteren Empore wird sehr wahrscheinlich abgebaut. Damit kann mehr Licht durch das große, bisher verdeckte Fenster in den Kirchraum fallen – mit Sicherheit eine schöne Veränderung für die Kirche. Wie der freigewordene Platz auf der hinteren Empore dann genutzt werden soll, ist noch nicht entschieden.
Mit dem Juwel Walcker-Orgel bekommt die Evangelische Kirchengemeinde Oberkassel ein Alleinstellungsmerkmal in Bonn und der Region, denn Orgeln aus der Zeit der Romantik sind selten, vor allem von Walcker. Musikalisch wird die Gemeinde mit dem Instrument eine große Bereicherung erfahren: Einsatz in Gottesdiensten und Konzerten sowohl als solistisches als auch begleitendes Instrument, Zusammenspiel mit den verschiedenen kirchenmusikalischen Gruppen der Gemeinde und Solisten, Orgelkonzerte, Orgelführungen verschiedenster Art u.v.m sind angedacht. Und das alles im Angesicht der Gemeinde – denn mit dem Wiedererwachen der Walcker-Orgel werden die Musizierenden in Zukunft nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen sein. Die Verkündigungseinheit von Altar, Kanzel und Orgel ist dann wiederhergestellt, so wie beim Bau der Großen Kirche ursprünglich auch konzipiert. Zurzeit ist ein Konzept für die Kirchenmusik in unserer Gemeinde in Entwicklung mit dem Ziel, die Walcker-Orgel in das bestehende kirchenmusikalische Wirken zu integrieren, das Instrument als Bestandteil der Gemeinde zu etablieren und eine Identifikation mit ihm zu schaffen.

An dieser Stelle sagen wir als Gemeinde „DANKE“ und zwar zum Einen dem Denkmalförderprogramm des Landes NRW, das unser Projekt mit 78.600,- Euro unterstützt und zum Anderen dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, das uns stolze 190.000,- Euro ermöglicht. Namentlich für seine Unterstützung sei hier Norbert Röttgen genannt.
Außerdem geht ein großer Dank an:

  • das Presbyterium der Gemeinde, das sich in vielen Sitzungen mit dem Thema „Orgel“ beschäftigt hat und das spannende Projekt wagt.
  • die Orgel-AG, die ebenfalls mit vielen Treffen zum Gelingen beigetragen und viele Prozesse vorbereitet hat.
  • den Orgelsachverständigen Manfred Schwartz, der die Gemeinde in vielen Präsenz- und Onlinekonferenzen in den letzten Monaten begleitet und beraten hat.


Und nun sind Sie an der Reihe:
Denn trotz großzügiger Fördermittel ist das Projekt „Walcker-Orgel“ finanziell noch nicht ganz gestemmt. Die Gesamtkosten (Orgel, Elektrik, Malerarbeiten etc.) belaufen sich auf etwa 460.000,- Euro, was bedeutet, dass uns noch ca. 190.000 Euro fehlen. Wir freuen uns über Ihre Beiträge zur Sanierung dieses besonderen Instrumentes.
Wie kann man unterstützen:

  • Sie können eine Patenschaft für eine oder gar mehrere Pfeifen übernehmen oder eine Orgelpfeifen-Patenschaft verschenken
  • mit einer Spende,
  • die Veranstaltungen besuchen, die (unter Corona-Bedingungen) hoffentlich bald starten können,
  • uns mit Tatkraft zur Seite stehen. Helfende Hände und denkende Köpfe können wir noch gut gebrauchen.
  • Eine weitere Möglichkeit ist auch, dass Sie mit Ihren individuellen Begabungen Dinge an Freunde, Bekannte oder andere Menschen in der Gemeinde verkaufen und den Erlös für die Orgel spenden. Das könnte selbst gekochte Marmelade sein, gebastelte Dekoration für die verschiedenen Jahreszeiten, Gestricktes oder Gehäkeltes u.v.m. Ich bin sehr sicher, dass Ihnen da etwas einfällt.


Dem neuen Gemeindebrief liegt auch der erste Flyer zur Orgel bei, dem Sie alle wichtigen Informationen rund um das Thema „Pfeifenpatenschaften“ entnehmen können. Des Weiteren wird ebenfalls alles Wichtige auf unserer Homepage zu lesen sein.
Bei Fragen und Anregungen wenden Sie sich gerne an Bernd Fischer oder an Kantorin Stefanie Ingenhaag.
Helfen Sie mit und seien Sie dabei, damit wir gemeinsam sagen können:
Wir ziehen alle Register und bringen die Walcker-Orgel neu zum Klingen!

Stefanie Ingenhaag